Zyklisch bedingte Schmerzen & Endometriose
Zyklisch bedingte Schmerzen, etwa während der Menstruation oder im Zusammenhang mit Endometriose – betreffen viele Frauen in der Schweiz. Die Beschwerden können von leichten Krämpfen bis zu chronischen, starken Schmerzen reichen, die Alltag, Beruf und Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.
Endometriose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutter wächst. Sie betrifft schätzungsweise 10 % der Frauen im gebärfähigen Alter und kann neben Schmerzen auch Müdigkeit, Unfruchtbarkeit und psychische Belastungen verursachen.
In den letzten Jahren haben Forscherinnen und Forscher begonnen, das Endocannabinoid-System (ECS) als möglichen Ansatzpunkt in der Schmerzregulation und Entzündungshemmung bei Endometriose und Menstruationsbeschwerden zu untersuchen. Erste Beobachtungen deuten darauf hin, dass cannabinoidbasierte Arzneimittel bei ausgewählten Patientinnen ergänzend unter ärztlicher Aufsicht erwogen werden können.
Ob eine solche Therapie medizinisch sinnvoll ist, entscheidet ausschliesslich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt nach individueller Abklärung.
Zyklisch bedingte Schmerzen und Endometriose können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
In bestimmten Fällen kann eine ärztlich begleitete Therapie mit cannabinoidbasierten Arzneimitteln in Betracht gezogen werden, immer unter medizinischer Aufsicht und gemäss den geltenden Schweizer Vorgaben.
Was versteht man unter zyklisch bedingten Schmerzen und Endometriose?
Zyklische Schmerzen entstehen meist durch hormonelle Veränderungen im Monatszyklus. Bei Endometriose kommt es zusätzlich zu entzündlichen Prozessen, die Schmerzen auch ausserhalb der Menstruation verursachen können.
Typische Beschwerden:
- Krampfartige Unterleibsschmerzen
- Rückenschmerzen oder Beckenschmerzen
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Müdigkeit und Konzentrationsprobleme
- Begleitende Übelkeit oder Verdauungsbeschwerden
Die Stärke und Häufigkeit der Symptome können stark variieren. Eine ärztliche Diagnose ist notwendig, um Endometriose oder andere Ursachen sicher abzugrenzen.
Wann ist ärztliche Beratung sinnvoll?
Eine ärztliche Abklärung ist wichtig, wenn Schmerzen regelmässig auftreten, überdurchschnittlich stark sind oder den Alltag erheblich beeinträchtigen.
In Einzelfällen kann die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt prüfen, ob eine cannabinoidbasierte Therapieform ergänzend zu bestehenden Behandlungen (z. B. Hormontherapie, Schmerzmittel, Operation) medizinisch begründet ist.
Die Entscheidung erfolgt individuell, immer unter Berücksichtigung der bisherigen Therapieversuche und der geltenden medizinischen Richtlinien.
Mögliche Therapieformen in der Schweiz
Approbierte Ärztinnen und Ärzte dürfen in der Schweiz verschiedene Darreichungsformen cannabinoidbasierter Arzneimittel verschreiben. Die Auswahl erfolgt nach medizinischer Beurteilung und kann beinhalten:
- Tropfen oder Öle – ermöglichen eine präzise Dosierung und werden häufig bei chronischen Schmerzen verwendet.
- Kapseln – sorgen für gleichmässige Wirkspiegel und sind für längerfristige Anwendungen geeignet.
- Magistrale Rezepturen – individuell angepasste Zubereitungen, hergestellt in spezialisierten Apotheken.
- Inhalative Anwendungen – in medizinisch begründeten Ausnahmefällen bei akuten Schmerzphasen.
Alle Präparate unterliegen den Qualitätsanforderungen von GMP (Good Manufacturing Practice) und GDP (Good Distribution Practice) und werden ausschliesslich über zugelassene Apotheken abgegeben.
Rechtlicher Rahmen
Seit dem 1. August 2022 dürfen Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz cannabinoidbasierte Arzneimittel ohne Sonderbewilligung verschreiben.
- Präparate unterstehen dem Betäubungsmittelgesetz (BetmG).
- Swissmedic überwacht Herstellung, Sicherheit und Qualität.
- Abgabe ausschliesslich über Apotheken.
- Ärztliche Kontrolle und Nachsorge sind verpflichtend.
Diese klare gesetzliche Grundlage stellt sicher, dass die Anwendung unter streng überwachten medizinischen Bedingungen erfolgt.
Sicherheit und Kontrolle
Cannabinoidbasierte Arzneimittel dürfen nur unter ärztlicher Aufsicht und bei klarer medizinischer Indikation angewendet werden.
Die Sicherheit wird durch kontrollierte Herstellungsprozesse und regelmässige Qualitätsprüfungen sichergestellt.
Hinweis:
Eine Selbstmedikation mit frei verkäuflichen Cannabisprodukten ersetzt keine ärztliche Betreuung und wird nicht empfohlen.
Häufige Fragen (FAQ)
1. Wann kann eine cannabinoidbasierte Therapie bei zyklischen Schmerzen oder Endometriose in Betracht gezogen werden?
Nur nach ärztlicher Abklärung – insbesondere, wenn herkömmliche Behandlungen keine ausreichende Linderung bieten oder mit Nebenwirkungen verbunden sind.
2. Wie wirken Cannabinoide im Körper?
Sie beeinflussen das Endocannabinoid-System, das unter anderem Schmerz-, Entzündungs- und Stressreaktionen reguliert. Die Wirkmechanismen werden weiterhin erforscht.
3. Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Nur in Ausnahmefällen mit dokumentierter Therapieresistenz und nach Antrag der behandelnden Ärztin oder des Arztes.
4. Gibt es wissenschaftliche Hinweise?
Internationale Studien deuten auf eine mögliche schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung hin, doch die Datenlage bleibt begrenzt. Die Anwendung erfolgt ausschliesslich unter ärztlicher Aufsicht.
5. Wie läuft der Behandlungsprozess ab?
Nach einer ausführlichen Anamnese prüft die Ärztin oder der Arzt, ob eine cannabinoidbasierte Therapieform sinnvoll ist. Die Abgabe erfolgt über Apotheken mit regelmässiger Nachkontrolle.
Rechtliche Hinweise
- Cannabinoidbasierte Arzneimittel sind verschreibungspflichtig.
- Abgabe ausschliesslich über zugelassene Apotheken.
- Online-Käufe oder Importe sind nicht erlaubt.
- Die Arzneimittelsicherheit wird durch Swissmedic überwacht.
Compliance-Hinweis
Dieser Text dient ausschliesslich der Information über rechtliche und medizinische Rahmenbedingungen cannabinoidbasierter Therapien in der Schweiz.
Er ersetzt keine ärztliche Beratung und stellt keine Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel dar.

Quellen & Referenzen
- Bundesamt für Gesundheit (BAG) – Medizinischer Cannabis in der Schweiz: Rechtlicher Rahmen und Anwendungsbereiche (Stand: 2024)
- Swissmedic – Information zu Cannabis für medizinische Zwecke und Arzneimittel mit Cannabinoiden (Merkblatt, 2023)
- Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) – Leitlinien zur Behandlung von Endometriose und Dysmenorrhoe (2023)
- Foederatio Medicorum Helveticorum (FMH) – Leitfaden zur Verschreibung von Betäubungsmitteln und cannabinoidhaltigen Arzneimitteln (2023)
- Frontiers in Reproductive Health (2022) – Endocannabinoid signaling and pain modulation in endometriosis
- Swiss Society for Addiction Medicine (SSAM) – Hinweise zu Cannabispräparaten in der klinischen Praxis (2022)
⚠️ Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschliesslich der Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Eine Behandlung mit medizinischem Cannabis erfolgt nur nach ärztlicher Einschätzung gemäss den geltenden gesetzlichen Vorgaben.

