Was ist medizinisches Cannabis? – Definition & Einordnung
Medizinisches Cannabis ist heute ein fester Bestandteil medizinischer und rechtlicher Diskussionen im Schweizer Gesundheitssystem. Dabei bestehen häufig Unsicherheiten darüber, was genau darunter zu verstehen ist, wie solche Präparate hergestellt werden und welche Rahmenbedingungen für ihre Verwendung gelten. Dieser Leitfaden erklärt das Thema, damit Sie die Rolle medizinischer Cannabispräparate in der Schweiz richtig einordnen können.
1. Was Unter „Medizinischem Cannabis“ Verstanden Wird
Medizinisches Cannabis bezeichnet Cannabisbasierte Arzneimittel, die nach pharmazeutischen Standards hergestellt werden und nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich sind. Dabei kann es sich um:
- zugelassene Fertigarzneimittel handeln (wenige sind in der Schweiz verfügbar), oder
- magistral hergestellte Präparate, die von Apotheken individuell nach ärztlicher Verschreibung zubereitet werden.
Gerade letztere spielen in der Schweiz eine bedeutende Rolle, da viele Cannabispräparate keine reguläre Marktzulassung besitzen und daher über die sogenannte Magistralrezeptur hergestellt werden. Trotz dieser unterschiedlichen Produktionswege gelten für alle Präparate klare Qualitätsanforderungen und ein kontrollierter Umgang.
Wer den Prozess der ärztlichen Verschreibung und der regulatorischen Abläufe in der Schweiz nachvollziehen möchte, findet hier eine Darstellung: So funktioniert Enmedify
2. Abgrenzung: Medizinische Präparate vs. Frei Verkaufte CBD-Produkte
Ein häufiger Irrtum besteht darin, medizinische Cannabispräparate mit frei erhältlichen CBD-Produkten gleichzusetzen. Diese unterscheiden sich jedoch grundlegend:
Medizinische Cannabispräparate
- enthalten definierte Mengen an Cannabinoiden (z. B. THC und/oder CBD),
- unterliegen strengen gesetzlichen Vorgaben,
- werden ärztlich verschrieben,
- werden in zugelassenen Apotheken abgegeben,
- werden entweder industriell hergestellt oder magistral zubereitet.
Frei verkäufliche CBD-Produkte (< 1 % THC)
- gelten rechtlich nicht als Betäubungsmittel,
- dürfen nicht als Arzneimittel beworben werden,
- erfüllen keine pharmazeutischen Qualitätsstandards,
- spielen keine Rolle in der ärztlich begleiteten medizinischen Behandlung.
Beide Produktgruppen haben daher unterschiedliche Funktionen, rechtliche Grundlagen und Qualitätsanforderungen. In diesem Leitfaden geht es ausschließlich um medizinische Cannabispräparate.
3. Warum Medizinisches Cannabis Reguliert Ist
Cannabisbasierte Arzneimittel fallen in der Schweiz unter das Betäubungsmittelrecht. Dadurch gelten besondere Regeln für:
- Herstellung
- Lagerung
- Verschreibung
- Abgabe
- Kontrolle
Diese Regulierung dient dem Schutz von Patientinnen und Patienten und soll sicherstellen, dass nur Präparate eingesetzt werden, deren Qualität überprüfbar ist und deren Anwendung ärztlich verantwortet wird.
Swissmedic überwacht dabei unter anderem:
- die Bewilligungen für Herstellung und Verarbeitung,
- die Einhaltung von Qualitätsstandards,
- die sichere Abgabe über zugelassene Apotheken,
- die korrekte Einordnung als verschreibungspflichtige Produkte.
Eine ausführliche rechtliche Übersicht finden Sie im passenden Artikel: Legalität von medizinischem Cannabis in der Schweiz
4. Welche Rolle Medizinisches Cannabis In Der Behandlung Spielen Kann
Medizinisches Cannabis wird heute nicht als Erstlinientherapie betrachtet. Ärztinnen und Ärzte ziehen es in der Regel nur dann in Betracht, wenn andere Behandlungsansätze nicht ausreichend geholfen haben oder nicht geeignet waren. Wie der Entscheidungsprozess genau abläuft, wird im nächsten Batch vertieft erläutert.
Dabei ist wichtig: Medizinisches Cannabis ist kein frei wählbares Produkt, sondern eine Option, deren Einsatz immer von der individuellen gesundheitlichen Situation und einer fachlichen Einschätzung abhängt.
5. Wie Ärztinnen Und Ärzte Entscheiden, Ob Medizinisches Cannabis Geeignet Sein Kann
Ob ein medizinisches Cannabispräparat in Betracht kommt, wird immer individuell beurteilt. Ärztinnen und Ärzte stützen sich dabei auf eine Reihe klarer Schritte, die sicherstellen, dass eine solche Option nur unter medizinisch sinnvollen Umständen geprüft wird.
a) Überblick Über Ihre Gesundheitliche Gesamtsituation
Zu Beginn verschafft sich die Fachperson ein strukturiertes Bild Ihrer gesundheitlichen Lage. Dazu gehören Diagnosen, der Verlauf bisheriger Behandlungen sowie relevante Vorerkrankungen. Dieses Gesamtbild ist entscheidend, weil Cannabisbasierte Arzneimittel nur unter bestimmten Voraussetzungen infrage kommen.
b) Einschätzung Bisheriger Therapien
Medizinisches Cannabis gehört nicht zu den Behandlungsoptionen, die Ärztinnen und Ärzte als erste Wahl einsetzen. Stattdessen prüfen sie, welche Therapien bereits angewendet wurden, wie gut diese gewirkt haben und ob Gründe bestehen, eine alternative Option zu erwägen.
c) Bewertung Möglicher Risiken
Die Fachperson beurteilt unter anderem Wechselwirkungen, potenzielle Nebenwirkungen, die individuelle Belastungssituation sowie allgemeine Sicherheitsaspekte. Erst wenn diese Faktoren berücksichtigt und dokumentiert sind, kann entschieden werden, ob ein Cannabisbasiertes Arzneimittel überhaupt infrage kommt.
Wer sich den gesamten Prozess Schritt für Schritt anschauen möchte, findet eine ausführliche Darstellung im folgenden Artikel: Wie Ärztinnen und Ärzte Cannabis in der Schweiz verschreiben
6. Welche Produktformen Es Gibt — Und Wie Sie Sich Unterscheiden
Cannabisbasierte Arzneimittel liegen in unterschiedlichen Formen vor, die sich in Anwendung, Konzentration und Herstellung unterscheiden. Die Wahl des Präparats erfolgt immer durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt, basierend auf medizinischen Kriterien.
Zugelassene Fertigarzneimittel
Es gibt in der Schweiz nur wenige Cannabisbasierte Fertigarzneimittel mit regulärer Zulassung. Diese Präparate haben:
- eine standardisierte Zusammensetzung,
- festgelegte Produktionsprozesse,
- eine definierte pharmakologische Qualität.
Magistral Hergestellte Präparate (Sehr Häufig Verwendet)
Ein großer Teil der Verschreibungen erfolgt in Form sogenannter Magistralrezepturen. Dabei stellt eine zugelassene Apotheke das Präparat individuell nach ärztlicher Verschreibung her. Dieses Vorgehen ist in der Schweiz weit verbreitet, weil:
- viele Cannabispräparate keine formale Marktzulassung besitzen,
- die ärztlichen Anforderungen flexibel abgebildet werden können,
- die Qualität durch klare pharmazeutische Vorgaben gesichert bleibt.
Beispiele Für Verfügbare Formen
- Ölige Lösungen mit standardisierten Cannabinoidprofilen
- Extrakte, die in definierten Konzentrationen verarbeitet werden
- Kapseln oder andere orale Zubereitungen, abhängig von der Apotheke
- Lösungsmittelbasierte Formulierungen im Rahmen der magistralen Verarbeitung
Diese Vielfalt erklärt, warum die Auswahl eines geeigneten Präparats nie durch Patientinnen und Patienten selbst erfolgt, sondern vollständig unter ärztlicher Anleitung.
Einen tieferen Überblick über verschiedene Produktformen finden Sie hier: Cannabisprodukte in der Schweiz
7. Welche Rolle Swissmedic Und Apotheken Spielen
Swissmedic ist die zentrale Behörde für Arzneimittelkontrolle in der Schweiz. Ihre Aufgabe besteht nicht darin, eine Therapie zu empfehlen oder zu bewerten, sondern Rahmenbedingungen zu schaffen, die sichere und nachvollziehbare Prozesse gewährleisten.
Swissmedic:
- bewilligt Betriebe, die Cannabis medizinisch verarbeiten oder herstellen,
- überwacht Qualitätsstandards für pharmazeutische Zubereitungen,
- definiert Richtlinien für den sicheren Umgang mit kontrollierten Substanzen.
Abgabe Über Zugelassene Apotheken
Medizinische Cannabispräparate dürfen ausschließlich über Apotheken abgegeben werden, die über die entsprechenden Bewilligungen verfügen. Dies betrifft sowohl Fertigarzneimittel als auch magistral hergestellte Präparate.
Wie die Abgabe von Betäubungsmitteln in Apotheken konkret abläuft und welche Dokumentationspflichten gelten, wird hier praxisnah erklärt: Cannabis in der Apotheke kaufen
8. Warum Ärztliche Betreuung Während Der Behandlung Wichtig Ist
Wenn ein medizinisches Cannabispräparat verschrieben wird, bleibt die ärztliche Betreuung ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Dazu gehören:
- regelmäßige Kontrolltermine,
- Überprüfung des Therapieverlaufs,
- mögliche Anpassung der Dosis oder Darreichungsform,
- frühzeitiges Erkennen von Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen.
Diese kontinuierliche Betreuung stellt sicher, dass die Behandlung verantwortungsvoll begleitet wird und sich stets an der individuellen gesundheitlichen Situation orientiert.
9. Welche Bedeutung Medizinisches Cannabis Für Patientinnen Und Patienten Haben Kann
Für Patientinnen und Patienten ist wichtig zu verstehen, welche Rolle medizinische Cannabispräparate im heutigen medizinischen Kontext tatsächlich einnehmen. Ihre Bedeutung ergibt sich nicht aus einer breiten Anwendung, sondern aus der Möglichkeit, sie in klar definierten Situationen ärztlich zu prüfen — immer dann, wenn herkömmliche Ansätze nicht ausreichend geholfen haben oder medizinische Gründe eine alternative Option erforderlich machen.
In diesem Rahmen kann ein Cannabisbasiertes Arzneimittel eine mögliche Rolle einnehmen, sofern eine sorgfältige medizinische Einschätzung vorliegt und die Behandlung eng begleitet wird. Da jede gesundheitliche Situation unterschiedlich ist, erfolgt die Beurteilung stets individuell und im Austausch mit einer qualifizierten Fachperson.
Eine thematisch geordnete Übersicht zu verschiedenen medizinischen Bereichen finden Sie hier: Indikationen – Überblick
10. Was Medizinisches Cannabis Nicht Ist
Um das Thema korrekt einzuordnen, ist es ebenso wichtig zu verstehen, wofür medizinisches Cannabis nicht steht:
Kein frei wählbares Produkt
Medizinische Cannabispräparate sind verschreibungspflichtig und dürfen nur unter ärztlicher Verantwortung eingesetzt werden. Sie gehören nicht zu frei erhältlichen Wellness- oder Lifestyle-Produkten.
Kein Ersatz Für Ärztliche Diagnostik
Der Einsatz ersetzt keine gründliche Abklärung. Ob ein Präparat geeignet sein könnte, entscheidet nicht der Wunsch, sondern ausschließlich die medizinische Bewertung.
Keine Garantie Für Bestimmte Behandlungsergebnisse
Der mögliche Nutzen wird immer im Einzelfall beurteilt — ohne Versprechen oder pauschale Aussagen.
Nicht Mit CBD-Produkten Gleichzusetzen
CBD-Produkte, die frei verkauft werden dürfen, haben eine andere rechtliche Grundlage und erfüllen nicht die Anforderungen eines medizinischen Cannabispräparats. Sie spielen deshalb keine Rolle in der ärztlich begleiteten Behandlung.
Diese Abgrenzungen schützen Patientinnen und Patienten vor Missverständnissen und stellen sicher, dass medizinische Entscheidungen verantwortungsvoll getroffen werden.
Fazit: Eine Klar Definierte Rolle Im Medizinischen Kontext
Medizinisches Cannabis ist ein kontrolliertes Arzneimittel, dessen Einsatz sorgfältig geprüft und ärztlich begleitet wird. Seine Rolle im Gesundheitssystem ist daher klar abgegrenzt:
- Es steht nur in bestimmten, medizinisch begründeten Situationen zur Verfügung.
- Es erfordert ein strukturiertes ärztliches Vorgehen — von der ersten Einschätzung bis zur laufenden Betreuung.
- Es unterliegt strengen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen.
- Es unterscheidet sich deutlich von frei verkäuflichen Cannabis- oder CBD-Produkten.
Damit bildet medizinisches Cannabis eine mögliche Option innerhalb der heutigen medizinischen Versorgung — nicht als allgemeine Lösung, sondern als sorgfältig geprüfter Bestandteil eines individuell abgestimmten Therapieplans.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der neutralen, sachlichen Information über Definition, Herstellung, Regulierung und Einordnung medizinischer Cannabispräparate in der Schweiz. Er enthält keinerlei Werbung, keine Aussagen zu Wirksamkeit oder Behandlungsergebnissen, keine Indikationszuordnung, keine Dosierungshinweise und ersetzt nicht die ärztliche Beratung.
Enmedify besteht aus einem Team von führenden ärzten mit jahrelanger Erfahrung in der Cannabis-Therapie. Unsere Ärzte sind spezialisiert auf eine Vielzahl von Indikationen und verfügen über umfassende Erfahrung in der Behandlung mit medizinischem Cannabis.

