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Wie wirkt Cannabis im Körper – Ein medizinischer Überblick
October 22, 2025
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Inhalt

Wie wirkt Cannabis im Körper – Ein medizinischer Überblick

Dieser Leitfaden informiert in verständlicher Sprache darüber, wie Cannabinoide im Körper wirken, mit Fokus auf das Endocannabinoid-System (ECS), die wichtigsten Rezeptoren (CB1/CB2), endogene Liganden (Anandamid/AEA, 2-AG), grundlegende Mechanismen von THC und CBD, den Einfluss des Applikationswegs, Stoffwechsel/Wechselwirkungen sowie Sicherheitsaspekte inklusive Hinweis zur Fahrtüchtigkeit in der Schweiz. Die Inhalte sind neutral und ersetzen keine ärztliche Beratung. Hinweise zum rechtlichen Rahmen (medizinische Anwendung seit 1. August 2022) finden sich beim BAG.

Das Endocannabinoid-System (ECS) – Grundprinzip

Das ECS ist ein körpereigenes Regulationssystem, das an der Feinabstimmung (Homöostase) vieler Funktionen beteiligt ist. Es umfasst:

  • Endocannabinoide: vor allem Anandamid (AEA) und 2-Arachidonylglycerol (2-AG).
  • Rezeptoren: CB1 (überwiegend im zentralen Nervensystem) und CB2 (vor allem im Immun-/peripheren System).
  • Enzyme: Synthese- und Abbauenzyme wie FAAH (für AEA) und MAGL (für 2-AG).
    Endocannabinoide werden bedarfsgesteuert („on demand“) gebildet und rasch abgebaut, um lokale Signalschleifen präzise zu modulieren.

CB1 & CB2 – Wo sie sitzen und wofür sie stehen

  • CB1-Rezeptoren finden sich vorwiegend im Gehirn und Rückenmark; sie modulieren dort neuronale Signalübertragung.
  • CB2-Rezeptoren treten vermehrt im Immunsystem und peripheren Geweben auf; sie sind an entzündungsbezogenen Signalwegen beteiligt.
    Die internationale Pharmakologie (IUPHAR/BPS) beschreibt CB1/CB2 ausführlich; „neue“ Cannabinoid-Ziele werden nur mit strengen Kriterien anerkannt.

Endocannabinoide (AEA & 2-AG)

  • Bildung bei Bedarf aus Membranlipiden; schnelle Inaktivierung durch FAAH (AEA) bzw. MAGL (2-AG).
  • Funktion: Feinregulation statt „Dauerbefehl“ , das ECS dämpft oder verstärkt Signale situativ, um Gleichgewichtszustände zu stabilisieren.
    Forschungsarbeiten zeigen, dass die Hemmung von FAAH/MAGL die Spiegel endogener Liganden erhöht – ein Ansatz, der experimentell untersucht wird.

THC vs. CBD – Wie sie wirken (hoch überblickt)

THC

  • Wirkt als (teilweiser) Agonist an CB1/CB2 und beeinflusst dadurch neuronale Signalübertragung; psychoaktiv/intoxizierend.

CBD

  • Gilt als nicht-intoxizierend und zeigt multimodale Interaktionen (u. a. mit 5-HT1A, TRP-Kanälen, Adenosin-/PPAR-Signalwegen).
  • Es moduliert Netzwerke indirekt; genaue klinische Bedeutungen werden weiterhin erforscht.

Hinweis: Diese Darstellung ist mechanistisch. Sie trifft keine Aussage zur Eignung oder Wirksamkeit für bestimmte Beschwerden.

Applikationswege & Zeitverläufe (ohne Dosierung)

Der Weg in den Körper beeinflusst Aufnahme, Wirkungseintritt und -dauer:

  • Inhalation (Vaporizer): rascher Wirkungseintritt (Minuten), kürzere Dauer; systemische Aufnahme über die Lunge.
  • Oral (Öle/Kapseln): verzögerter Beginn (durch Magen-Darm-Passage), längere Dauer; First-Pass-Metabolismus über die Leber.
  • Oromukosal/Sublingual: relativ schneller Beginn über die Mundschleimhaut, häufig gleichmässigere Profile als rein oral.
    Die Wahl des Wegs ist ärztliche Entscheidung; sie hängt von Behandlungsziel, Alltagstauglichkeit und Verträglichkeit ab. (Rechtlicher Rahmen/Abgabe via Apotheke siehe BAG/Swissmedic.)

Metabolismus & potenzielle Wechselwirkungen

  • THC: Metabolisierung u. a. über CYP2C9, CYP3A-Isoenzyme;
  • CBD: Metabolisierung u. a. über CYP2C19 und CYP3A-Isoenzyme.
    Bedeutung in der Praxis: gleichzeitig eingenommene Arzneimittel können den Abbau beeinflussen (oder umgekehrt). Deshalb sollte die gesamte Medikation (inkl. OTC/Phytoprodukte) mit der behandelnden Fachperson besprochen werden.

System-Ebene & Toleranz (Kurzüberblick)

  • Neuronale Netzwerke: CB1-vermittelte Prä-/Postsynapsen-Effekte verändern die Wahrscheinlichkeit, mit der Signale weitergeleitet werden.
  • Periphere/Immun-Achsen: CB2-abhängige Modulation kann Entzündungswege beeinflussen (Forschungslage heterogen).
  • Toleranz/Desensitisierung: Längerfristige, hochfrequente CB1-Stimulation kann Signalantworten abschwächen; bei Anpassungen entscheidet immer die Ärztin/der Arzt.

Sicherheit & Compliance in der Schweiz

  • Häufige Nebenwirkungen (allgemein berichtet): Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Konzentrationsschwäche; bei THC Beeinträchtigung der Reaktionsfähigkeit möglich.
  • Fahrtüchtigkeit: In der Schweiz gilt eine faktische Nulltoleranz mit analytischem Grenzwert von 1,5 µg/L THC im Vollblut. Bereits geringe nachweisbare Mengen können rechtliche Folgen haben – nicht fahren, wenn eine Beeinträchtigung möglich ist.
  • Rechtlicher Rahmen: Medizinische Anwendung seit 01.08.2022 unter Betäubungsmittel-/Heilmittelrecht; Abgabe nur auf ärztliches Betäubungsmittelrezept über Apotheken; Swissmedic überwacht Qualität/Umgang (GMP/GDP).
  • Schwangerschaft/Stillzeit: Anwendung grundsätzlich ärztlich prüfen; Selbstmedikation vermeiden.
  • Grundsatz: Therapieentscheidungen, Auswahl der Form und Verlaufskontrolle liegen ausschliesslich bei der behandelnden Fachperson.

FAQ – Wissenschaftlich erklärt (ohne Therapieaussagen)

Was ist das ECS?
Ein körpereigenes System aus Endocannabinoiden, Rezeptoren (CB1/CB2) und Enzymen, das Signale feinreguliert, um Gleichgewichtszustände zu stabilisieren.

Worin unterscheiden sich CB1 und CB2?
CB1: vorwiegend ZNS; CB2: vor allem Immunsystem/Peripherie. Beide sind gut charakterisierte Rezeptoren mit klaren Nomenklatur-Vorgaben (IUPHAR). 

Wie unterscheiden sich THC und CBD im Körper?
THC: (teilweiser) CB1/CB2-Agonist, psychoaktiv; CBD: multimodale, nicht-intoxizierende Wechselwirkungen (u. a. 5-HT1A, TRP, Adenosin/PPAR). 

Warum macht der Applikationsweg einen Unterschied?
Weil Aufnahme & Abbau variieren (Lunge vs. Magen-Darm/First-Pass vs. Mundschleimhaut); dadurch ändern sich Beginn und Dauer der Effekte. 

Gibt es Arzneimittel-Interaktionen?
Ja, möglich – Cannabinoide nutzen CYP-Enzyme (z. B. 2C9/2C19/3A4). Medikamentenliste immer ärztlich abgleichen. 

Darf ich nach THC noch fahren?
Nicht fahren, wenn beeinträchtigt. In der Schweiz gilt ein analytischer Grenzwert 1,5 µg/L THC im Vollblut; Verstösse sind rechtlich relevant – auch ohne subjektives Rauschgefühl.

Compliance-Hinweis

Dieser Text dient ausschliesslich der Information über physiologische Grundlagen und Sicherheitsaspekte. Er bewirbt keine Arzneimittel, enthält keine Wirksamkeits- oder Therapieaussagen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Entscheidungen zu Anwendung und Dosierung liegen ausschliesslich bei der behandelnden Fachperson.

Enmedify Arzt

Enmedify besteht aus einem Team von führenden ärzten mit jahrelanger Erfahrung in der Cannabis-Therapie. Unsere Ärzte sind spezialisiert auf eine Vielzahl von Indikationen und verfügen über umfassende Erfahrung in der Behandlung mit medizinischem Cannabis.

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