Cannabis Fachberater – Rolle und Aufgaben
Der Weg von der ärztlichen Einschätzung bis zur Abgabe in der Apotheke umfasst bei medizinischem Cannabis mehrere aufeinander abgestimmte Schritte. Dabei tauchen häufig Fragen zu Abläufen, gesetzlichen Vorgaben und Rollen der beteiligten Fachpersonen auf. Eine wichtige Unterstützung können Cannabis-Fachberaterinnen und -Fachberater bieten. Sie erklären Hintergründe, ordnen Informationen ein und helfen Patientinnen und Patienten, den Behandlungsweg besser zu verstehen – ohne Entscheidungen der medizinischen Fachpersonen zu ersetzen.
Wer Sind Cannabis-Fachberaterinnen und -Fachberater?
Cannabis-Fachberaterinnen und -Fachberater sind in der Regel Personen aus Gesundheits- oder Apothekenberufen, die sich vertieft mit medizinischem Cannabis und dem dazugehörigen regulatorischen Umfeld auseinandergesetzt haben. Dazu gehören Kenntnisse über Cannabinoide, das Endocannabinoid-System, gängige Darreichungsformen sowie ein Verständnis der rechtlichen Rahmenbedingungen für verschreibungspflichtige Cannabisarzneimittel in der Schweiz.
Wesentlich ist ihre Fähigkeit, Informationen klar und verständlich aufzubereiten. Sie unterstützen Patientinnen und Patienten dabei, einen Überblick über die verschiedenen Schritte des Behandlungswegs zu erhalten, und helfen, typische Fragen zu ordnen. Dabei bleiben sie strikt neutral: Sie stellen keine Diagnosen, geben keine therapeutischen Empfehlungen und entscheiden nicht über die Eignung einer Cannabistherapie. Ihre Aufgabe besteht vielmehr darin, Hintergrundwissen zugänglich zu machen und Orientierung zu bieten, damit das anschließende Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt gut vorbereitet geführt werden kann.
Wo Sind Cannabis-Fachberaterinnen und -Fachberater Tätig?
1. Apotheken
Apotheken sind häufig der erste Ort, an dem Patientinnen und Patienten mit Fragen zu Rezepten für Cannabisarzneimittel oder zu organisatorischen Abläufen in Kontakt kommen. In Einrichtungen, die Erfahrung mit entsprechenden Betäubungsmittelrezepten haben, können Cannabis-Fachberaterinnen und -Fachberater erklären, welche Schritte zwischen ärztlicher Verordnung und Abgabe relevant sind und welche gesetzlichen Vorgaben dabei gelten. Dies hilft Patientinnen und Patienten, die Abläufe besser einzuordnen.
2. Medizinische Einrichtungen
In spezialisierten medizinischen Zentren oder Kliniken sind Cannabis-Fachberaterinnen und -Fachberater oft Teil interdisziplinärer Teams. Dort unterstützen sie die Kommunikation zwischen verschiedenen Fachpersonen und tragen dazu bei, organisatorische Schritte im Zusammenhang mit einer möglichen Behandlung verständlich zu machen.
3. Digitale Wissensplattformen
Auf digitalen Plattformen wie Enmedify tragen Fachberaterinnen und Fachberater dazu bei, geprüfte, neutral formulierte Informationen rund um medizinisches Cannabis bereitzustellen. Sie helfen, Inhalte verständlich aufzubereiten und sicherzustellen, dass sie sich an geltende regulatorische Vorgaben halten. Dabei steht der Zugang zu verlässlichem Grundlagenwissen im Vordergrund, nicht die Empfehlung einer Therapie.
Abgrenzung Zur Ärztlichen Tätigkeit
Der wichtigste Unterschied zwischen Cannabis-Fachberaterinnen und -Fachberatern und Ärztinnen bzw. Ärzten liegt in der Verantwortung für medizinische Entscheidungen. Nur Ärztinnen und Ärzte dürfen beurteilen, ob eine Therapie mit Cannabisarzneimitteln im Einzelfall in Betracht kommt, ein Rezept ausstellen oder den Verlauf einer Behandlung begleiten.
Wer den ärztlichen Entscheidungsprozess besser verstehen möchte, findet weitere Informationen im Beitrag Wie Ärztinnen und Ärzte Cannabis in der Schweiz verschreiben.
Welche Aufgaben Übernehmen Cannabis-Fachberaterinnen und -Fachberater?
Cannabis-Fachberaterinnen und -Fachberater unterstützen Patientinnen und Patienten dabei, den Weg von der ärztlichen Einschätzung bis zur Abgabe eines verschriebenen Cannabisarzneimittels besser nachzuvollziehen. Ihre Aufgabe besteht nicht darin, medizinische Entscheidungen zu treffen, sondern Informationen verständlich bereitzustellen und Orientierung zu geben. Dabei halten sie sich strikt an die geltenden Vorgaben für verschreibungspflichtige Betäubungsmittel.
Orientierung im rechtlichen Rahmen
Medizinisches Cannabis unterliegt in der Schweiz klar geregelten gesetzlichen Vorgaben. Dazu gehören die Einordnung als Betäubungsmittel, die ärztliche Verschreibungspflicht sowie die behördliche Überwachung durch Swissmedic. Cannabis-Fachberaterinnen und -Fachberater helfen Patientinnen und Patienten zu verstehen, welche Anforderungen im Hintergrund bestehen – etwa warum eine ärztliche Verordnung notwendig ist oder welche Schritte bei der Abgabe in der Apotheke geregelt sind.
Sie erläutern rechtliche Grundbegriffe, ohne sie auszulegen, und machen transparent, welche Teile des Prozesses in der Verantwortung von Ärztinnen, Ärzten und Apotheken liegen. Eine ausführliche Übersicht finden Sie im Beitrag Legalität von medizinischem Cannabis in der Schweiz.
Vermittlung Wissenschaftlicher Grundlagen
Viele Patientinnen und Patienten möchten vor einem Arztgespräch verstehen, wie Cannabisarzneimittel grundsätzlich einzuordnen sind. Fachberaterinnen und Fachberater erklären daher zentrale wissenschaftliche Grundlagen wie:
- den Aufbau des Endocannabinoid-Systems
- grundlegende Eigenschaften von Cannabinoiden wie THC und CBD
- Unterschiede zwischen gängigen Darreichungsformen
Dabei bleiben sie ausdrücklich neutral. Sie machen keine Aussagen zu möglichen Wirkungen oder zur Eignung für bestimmte Beschwerden. Wer sich mit den physiologischen Grundlagen vertraut machen möchte, findet weitere Informationen im Beitrag Wie Cannabis im Körper wirkt.
Unterstützung bei der Vorbereitung auf das ärztliche Gespräch
Ein wesentlicher Teil der Fachberatung besteht darin, Patientinnen und Patienten dabei zu unterstützen, das Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt strukturiert zu führen. Dazu gehört unter anderem:
- einen Überblick über bisherige Behandlungen und Erfahrungen zusammenzustellen
- Fragen vorzubereiten, die im Gespräch angesprochen werden sollen
- besser zu verstehen, welche medizinischen Informationen für eine ärztliche Beurteilung relevant sein können
Die Entscheidung über eine mögliche Cannabistherapie bleibt jedoch vollständig ärztlich. Fachberaterinnen und Fachberater bereiten lediglich Informationen auf, damit das Gespräch klar und zielführend geführt werden kann.
Begleitung nach einer ärztlichen Verordnung
Erhält eine Patientin oder ein Patient ein Rezept für ein Cannabisarzneimittel, treten häufig neue Fragen auf – etwa zur Rezeptübermittlung, zu den Abläufen in der Apotheke oder zur Einordnung verschiedener pharmazeutischer Zubereitungen. Fachberaterinnen und Fachberater erklären, wie der Übergang von der ärztlichen Verordnung zur Abgabe in der Apotheke organisiert ist und welche allgemeinen gesetzlichen Vorgaben dabei gelten.
Weitere Informationen zu typischen Abläufen in Apotheken finden Sie im Beitrag Cannabis in der Apotheke kaufen.
Zusammenarbeit mit Apotheken und medizinischem Fachpersonal
Cannabis-Fachberaterinnen und -Fachberater unterstützen Apotheken und medizinische Einrichtungen, indem sie Informationen bündeln und Fragen rund um organisatorische Abläufe klären. Sie erklären beispielsweise:
- wie Dokumentations- und Übergabeprozesse grundsätzlich strukturiert sind
- welche Rollen Ärztinnen, Ärzte und Apotheken jeweils übernehmen
- welche Schritte Patientinnen und Patienten selbst beachten sollten
Dabei bleibt die Zusammenarbeit klar abgegrenzt: Apotheken sind für die Abgabe und Qualitätssicherung zuständig, Ärztinnen und Ärzte für die medizinische Beurteilung und Verschreibung. Fachberaterinnen und Fachberater ergänzen diese Aufgaben, indem sie Orientierung geben und sicherstellen, dass Patientinnen und Patienten den Überblick über die einzelnen Schritte behalten.
Welche Bedeutung haben Cannabis-Fachberaterinnen und -Fachberater?
Cannabis-Fachberaterinnen und -Fachberater tragen dazu bei, dass Patientinnen und Patienten sich in einem medizinisch und rechtlich anspruchsvollen Bereich besser orientieren können. Da Cannabisarzneimittel in der Schweiz klar reguliert sind und verschiedene Fachpersonen am Behandlungsweg beteiligt sind, suchen viele Menschen verlässliche Informationen. Fachberaterinnen und Fachberater unterstützen dabei, den Überblick zu behalten, Abläufe zu verstehen und Fragen gezielt für das ärztliche Gespräch vorzubereiten.
Ihre Rolle ergänzt die Aufgaben von Ärztinnen und Ärzten sowie Apotheken, ohne diese zu ersetzen. Sie schaffen Klarheit, wo Patientinnen und Patienten Orientierung benötigen, und helfen, komplexe Informationen zugänglich zu machen. Damit leisten sie einen Beitrag zu einem strukturierten und gut nachvollziehbaren Behandlungsprozess.
Wie erkennen Patientinnen und Patienten qualifizierte Fachberaterinnen und Fachberater?
Qualifizierte Fachberaterinnen und Fachberater zeichnen sich in der Regel durch folgende Merkmale aus:
- gesundheitsbezogene Grundausbildung, häufig im pharmazeutischen oder medizinischen Umfeld
- nachweisbares Wissen über Cannabisarzneimittel, Cannabinoide und den rechtlichen Rahmen in der Schweiz
- Erfahrung im Umgang mit Betäubungsmittelrezepten und den dazugehörigen administrativen Abläufen
- sachliche und neutrale Kommunikation, die sich an geltende Richtlinien hält
- klare Abgrenzung zur ärztlichen Verantwortung, ohne therapeutische Aussagen
Patientinnen und Patienten können zudem darauf achten, ob Beratungsstellen transparent darstellen, welche Rolle sie übernehmen und welche nicht. Ein Hinweis darauf kann sein, dass Beratende ausdrücklich betonen, keine Therapieentscheidungen zu treffen und die medizinische Beurteilung vollständig Ärztinnen und Ärzten zu überlassen.
Einzelne Einrichtungen und Plattformen, darunter auch spezialisierte medizinische Zentren, stellen häufig Informationen zu ihren Beratungsstrukturen bereit. Eine Übersicht dazu bietet der Beitrag Cannabis Kliniken in der Schweiz.
Zukunftsperspektiven der Fachberatung
Da sich das Wissen rund um Cannabisarzneimittel weiterentwickelt und regulatorische Vorgaben fortlaufend angepasst werden, bleibt der Bedarf an fundierter, neutraler Beratung bestehen. Fachberaterinnen und Fachberater können in Zukunft eine noch wichtigere Rolle übernehmen, wenn es darum geht, neue Entwicklungen verständlich einzuordnen und Patientinnen und Patienten sicher durch Veränderungen zu begleiten.
Fazit: Orientierung im Behandlungsprozess – ärztliche Verantwortung bleibt zentral
Cannabis-Fachberaterinnen und -Fachberater helfen Patientinnen und Patienten dabei, sich innerhalb der gesetzlichen und organisatorischen Vorgaben zurechtzufinden. Sie erklären Grundlagen, beantworten allgemeine Fragen und tragen dazu bei, dass Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten gut vorbereitet stattfinden können. Damit erleichtern sie den Zugang zu Informationen, die für das Verständnis eines möglichen Behandlungswegs wichtig sind.
Gleichzeitig bleibt die therapeutische Beurteilung uneingeschränkt ärztlich. Ob eine Behandlung mit einem Cannabisarzneimittel infrage kommt, wie sie verordnet wird und wie der Verlauf beurteilt wird, liegt ausschließlich bei der behandelnden Fachperson. Eine Cannabis-Fachberatung ersetzt dieses Gespräch nicht, sondern ergänzt es sinnvoll durch klare Orientierung.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der neutralen Information über Rollen, Rahmenbedingungen und organisatorische Abläufe im Zusammenhang mit Cannabisarzneimitteln. Er enthält keine Werbung, keine Wirk-, Therapie- oder Dosierungsaussagen und ersetzt nicht die ärztliche Beratung.
Enmedify besteht aus einem Team von führenden ärzten mit jahrelanger Erfahrung in der Cannabis-Therapie. Unsere Ärzte sind spezialisiert auf eine Vielzahl von Indikationen und verfügen über umfassende Erfahrung in der Behandlung mit medizinischem Cannabis.

